Corona-Krise: Wie geht es den Frankfurter Unternehmen?

Wirtschaftsdezernent Markus Frank
Die Wirtschaftsförderung Frankfurt hat die Erwartungshaltung und Stimmungslage in den Frankfurter Betrieben untersucht, und dazu über 1.000 proaktive Gespräche geführt. Die Einschätzungen zu den Auswirkungen der Corona-Krise bewegen sich in einem breiten Spektrum zwischen Hoffen und Bangen, Existenzängsten und Gewinnerwartungen. Insgesamt zeichnet die Wirtschaftsförderung ein differenziertes Bild, das die Erkenntnisse der einzelnen Wirtschaftszweige und Branchen wiedergibt: „Existenzängste herrschen weiter vor, aber es gibt auch Krisengewinner.“
Die Corona-Krise greift seit März 2020 mit massiven Auswirkungen auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben um sich. Davon ist auch der Standort Frankfurt am Main nicht verschont geblieben. Die Arbeitslosenzahl in der Mainmetropole liegt im Februar 2021 bei 30.537 Personen, was einem drastischen Anstieg von 40 % im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Allein die Zahl der Arbeitslosen oder auch der Kurzarbeitenden ergibt aber noch kein umfassendes Bild über die tatsächliche Lage der Unternehmen vor Ort, wenngleich sie aufzeigt, wie einschneidend die Krise für viele Betroffene ist.
Zum einen stellt deswegen der Frankfurter Wirtschaftsstab ein wirksames Instrument dar, um ein aussagekräftigeres sowie kontinuierliches Stimmungsbild gewinnen zu können. Unter der Leitung von Wirtschaftsdezernent Markus Frank wird im Wirtschaftsstab seit Beginn der Krise im Frühjahr 2020 alle zwei Wochen die aktuelle Situation mit wichtigen Akteuren der Frankfurter Wirtschaft erörtert, dringende Probleme in den Branchen aufgezeigt und nach konstruktiven Lösungsmöglichkeiten gesucht.
Zum anderen hat die Wirtschaftsförderung Frankfurt nun die Initiative ergriffen und in den zurückliegenden vier Wochen 1.000 proaktive Unternehmensgespräche geführt. Die Bestandspflege bei Frankfurter Unternehmen stellt einen normalen Teil der Arbeit der Wirtschaftsförderung dar – in dieser hoch frequentierten Form über alle Branchen hinweg sind so viele Gespräche aber noch nie zuvor durchgeführt worden. Auch die intensive Aufarbeitung und strukturierte Analyse der Gespräche die erfolgten, sind ein neuer Schritt der Wirtschaftsförderung, um die aktuelle Situation noch genauer erfassen zu können.
Aus den 1.000 Gesprächen kann ein aussagekräftiges Stimmungsbild über den Wirtschaftsstandort abgeleitet werden. So stellte die Wirtschaftsförderung eine starke und sehr starke Betroffenheit durch die Corona-Krise bei rund 39 % der Betriebe fest, mit denen gesprochen wurde. Hinsichtlich der einzelnen Branchen überrascht es mit Blick auf die vom Lockdown am härtesten betroffenen Bereiche wenig, dass eine noch stärkere Betroffenheit von weit über 50 % der Unternehmen in der Luftfahrtbranche, der Hotel- und Gastronomiebranche, des (Einzel-)Handels und der Kultur- und Kreativwirtschaft festzustellen ist. Besonders alarmierend: Die hohe Betroffenheit schürt massive Existenzängste. Rund 26% der Hotel- und Gastronomiebetriebe gaben an, unter diesen Umständen nur noch maximal ein Jahr durchhalten zu können. Im Bereich des (Einzel-)Handels müssten 23 % der Unternehmen innerhalb eines Jahres ihren Betrieb aufgeben, wenn es im Lockdown-Modus weitergeht. Knapp 10% der Händler gaben sogar an, nur noch drei Monate überleben zu können. Auch in der Kultur- und Kreativwirtschaft sind die Zahlen hoch. Rund 18% laufen innerhalb eines Jahres Gefahr aufgeben zu müssen, viele Betroffene wahrscheinlich schon eher. Mit Blick auf die Gesamtheit aller geführten Gespräche – also branchenübergreifend – hält die Wirtschaftsförderung fest, dass rund 13 % der Betriebe im Rahmen von einem Jahr oder weniger ihre Existenz gefährdet sehen. Bei einer Gesamtzahl von ca. 69.000 Unternehmen in Frankfurt am Main würde dies in der Theorie 8.970 Betriebe treffen.
Doch es gibt auch Betriebe, die solide durch die Corona-Krise kommen und sogar einzelne, die sich als Krisengewinner hervortun. So stehen die Industrie bzw. das produzierende Gewerbe, die Immobilien- und Finanzwirtschaft sowie Frankfurter Unternehmen der Informations- und Telekommunikationstechnik vergleichsweise gut da. Frankfurter Unternehmen dieser Branchen bilden somit nach wie vor einen wichtigen Garanten für Stabilität am Wirtschaftsstandort.
Branchenübergreifend ist zudem festzustellen, dass Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen nur in wenigen Fällen von der Corona-Krise betroffen sind. Demnach scheint eine weitere Beobachtung der Wirtschaftsförderung logisch, nämlich dass zahlreiche Frankfurter Betriebe derzeit versuchen, digital nachzurüsten, speziell im Einzelhandel. Hierzu Oliver Schwebel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung: „Erfreulicherweise sehen wir, dass viele Händler aktiv sind und versuchen, das Beste aus dieser schwierigen Situation zu machen. Click & Collect wird genutzt, Online-Shops werden eingerichtet und es wird Werbung auf Instagram geschaltet. Manche versuchen mit kreativen Ideen ihr Geschäftsmodell krisensicher zu machen, das ist eine gute Sache.“

Hilfsprogramme von Bund, Land und Kommune

Die Wirtschaftsförderung hat zudem im Blick, ob in Frankfurt finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch genommen werden, wo noch Herausforderungen bei den einzelnen Programmen liegen und wie möglicherweise nachgesteuert werden könnte. Durch die im Februar geführten Gespräche konnte festgestellt werden, dass knapp 30 % der Frankfurter Unternehmen auf Wirtschaftshilfen zurückgreifen – und der Bedarf hieran steigt. Je betroffener die Branche, desto höher der Anteil der Unternehmen, die die Hilfen in Anspruch nehmen.
Besonders herausfordernd scheint im Kontext der Hilfsprogramme die schiere Menge an Informationen zu sein, die es auf dem Weg zu ihnen zu durchforsten gilt. Dies führt zu Unsicherheiten in den Betrieben und schlimmstenfalls zu der Entscheidung, trotz hoher Liquiditätsbedarfe keine Hilfen zu beantragen. Die Wirtschaftsförderung versucht nachzusteuern, steht für individuelle kostenlose Beratungsgespräche zur Verfügung und pflegt fast täglich das umfassende FAQ zu den Wirtschaftshilfen auf ihrer Website: www.frankfurt-business.net
Wirtschaftsdezernent und Stadtrat Markus Frank schätzt das Angebot sehr und empfiehlt allen Wirtschaftsakteuren, darauf zurückzugreifen: „Schließlich war ich selbst mal Unternehmer und weiß, dass es nicht jedem Gewerbetreibenden im Blut liegt, sich durch einen Antragsdschungel zu kämpfen. In größeren Betrieben gibt es vielleicht Experten für die Büroarbeiten, aber ein kleiner inhabergeführter Laden, der im besten Falle von der Idee über die Produktion, den Einkauf und den Verkauf alles alleine stemmt, ist unter Umständen in dieser prekären Situation nicht so gut aufgestellt.“