Über 200 Flüchtlinge starten mit der Ausbildung

Die hessische Landesinitiative „Wirtschaft integriert“ wirkt

Eine positive Zwischenbilanz zieht die Landesinitiative „Wirtschaft integriert“ nach dem Start des Ausbildungsjahres 2017/2018. „Wir haben eine sehr gute Resonanz bei den Flüchtlingen“, stellt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir fest. „Von den ersten Teilnehmern starten jetzt über 200 mit einer Ausbildung, 73 waren es im vergangenen Jahr. Das ist ein toller Erfolg für unseren hessischen Förderweg. Hessen steht mit ‚Wirtschaft integriert‘ im Ländervergleich einzigartig da.“


Projektpartner von „Wirtschaft integriert“ sind die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, der Hessische Handwerkstag sowie die Arbeitsgemeinschaft der hessischen Industrie- und Handelskammern und das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V. Zielgruppe sind Frauen und Männer unter 27 Jahren, die nur Grundkenntnisse in Deutsch haben und deshalb eine Ausbildung nicht ohne Hilfe bewältigen. Teilnehmen können schon länger hier lebende Menschen mit Migrationshintergrund, anerkannte Flüchtlinge, Asylbewerber mit Bleibeperspektive sowie geduldete junge Menschen ohne Arbeitsverbot.

Die Teilnehmer beginnen mit einer Berufsorientierung. Wenn sie von dort nicht gleich in eine Ausbildung wechseln können, weil sie mehr Vorbereitung benötigen, schließt sich als Einstiegsqualifizierung ein sechs bis zwölf Monate dauerndes Praktikum im späteren Ausbildungsberuf an. Gleichzeitig erhalten sie Sprach- und Stützunterricht sowie sozialpädagogische Begleitung, die sich während der Ausbildung fortsetzt. Diese durchgehende Förderkette ist wichtigstes Merkmal von „Wirtschaft integriert“.

„Mit dem Programm ‚Wirtschaft integriert‘ wurde ein erster wichtiger Baustein zur Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt gelegt, dem nun weitere folgen müssen“, erläutert Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. „Wir wissen alle um die Bedeutung einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Sie schützt nachweislich vor Arbeitslosigkeit. Darum müssen jetzt weitere Bausteine nach und nach aufeinandergesetzt werden. Ich hoffe, dass es weiterhin ein großes Angebot an Praktikumsplätzen sowie ein ausreichendes Angebot an weiterführenden Sprachkursen geben wird. Ohne dies werden die ersten Erfolge, die mit dem hessischen Programm realisiert wurden, nicht zum Ziel führen. Ohne die anhaltende Ausbildungsbereitschaft und das große Engagement der Betriebe für diese besonderen jungen Menschen wird es uns nicht gelingen, erfolgreiche Berufsbiographien zu schreiben.“

„Die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit ist für das hessische Handwerk Verpflichtung und Chance gleichzeitig", bemerkt Bernd Ehinger als Präsident des Hessischen Handwerkstages (HHT), der für die hessische Wirtschaft auch die Gruppe Arbeitsmarkt im Asylkonvent der Hessischen Landesregierung leitet. Zusammen mit HHT-Geschäftsführer Bernhard Mundschenk hebt er das Engagement der Handwerksbetriebe hervor, Flüchtlinge in Praktika und Lehre aufzunehmen. „Seit Beginn Jahresbeginn 2017 konnten die Handwerkskammern schon 852 neu eingetragene Lehrverträge mit jungen Menschen aus den Hauptherkunftsländern der Flüchtlinge verzeichnen, dazu kommen noch 272 Einstiegsqualifizierungsverträge. Zum Schluss des Vorjahres waren es 560 neue Lehrverträge und fast 180 EQ-Verträge. Die Zahlen werden sich also bis Jahresende 2017 weiter verbessern.“ Grundsätzlich erklärt er: „Im Handwerk wird das Motto gelebt: Bei uns zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hin will.“

Die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern engagieren sich in der Anwerbung von EQ- und Ausbildungsplätzen. „Mit diesem Programm setzen wir unsere Selbstverpflichtung zur Integration von Flüchtlingen um“, so Eberhard Flammer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Industrie-und Handelskammern. „Bereits über 800 Unternehmen haben uns signalisiert, dass sie mit der Aufnahme von Flüchtlingen in Praktika, Ausbildung oder Arbeit zu der Verantwortung der Wirtschaft stehen. Die hessischen Industrie- und Handelskammern unterstützen das Programm im Rahmen ihres IHK-Aktionsprogramms. Mitgliedsbetriebe berichten von positiven Erfahrungen mit motivierten jungen Flüchtlingen, in denen wir die Fachkräfte von morgen für unsere IHK-Unternehmen sehen. Seit Jahresbeginn sind 705 junge Menschen, die aus den Hauptherkunftsländern der Flüchtlinge stammen, in Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung bei IHK-Unternehmen gemündet.“

Kai Weber vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V., der die hessenweite Programmkoordination übernommen hat, erläutert: „In der dreimonatigen Berufsorientierung durchlaufen die jungen Männer und Frauen verschiedene Werkstätten, um herauszufinden, welcher Beruf zu ihnen passt. Auch Sprachunterricht, Lern- und Integrationshilfen sowie sozialpädagogische Begleitung gehören zum Programm. Ausbilder und Lehrkräfte sorgen für Kontakte zu Ausbildungsbetrieben und helfen beim Finden von Praktika und Ausbildungsplätzen.“

Kontakt / Info:

Weitere Informationen zu „Wirtschaft integriert“ über die
Hotline 06421 / 304 47 28 und www.wirtschaft-integriert.de