„Ich bin total begeistert“

Der Sportkreis Frankfurt e. V. engagiert sich für Ausbildungsplatzsuchende und bildet selbst aus – Eine Dachorganisation für 220.000 Mitglieder in 420 Turn- und Sportvereinen

Patrick Gombert (21) wird im ersten Lehrjahr beim Sportkreis Frankfurt am Main e. V. zum Veranstaltungskaufmann ausgebildet. Von seinem Ausbildungsbetrieb ist er „total begeistert“ –und ebenso von seinen Ansprechpartnern, darunter Sportkreis-Geschäftsführer Tim Bugenhagen (35), die immer ein offenes Ohr haben und helfen, wenn Patrick nicht weiterkommt, die Zusammenhängeerklären, Sinn vermitteln und Verantwortung übertragen. Ganz anders als bei seinem vorherigen Ausbildungsversuch in der Versicherungs- und Finanzbranche, als er monatelang Aktenordnen musste, wie er sich erinnert. Diese Ausbildung hat er abgebrochen, und auch der Neustart bei einem anderen Unternehmen gelang nicht. Eigentlich waren die Voraussetzungen durch das 2017 abgelegte Fachabitur gar nicht schlecht. „Es lage her am Umfeld“, vermutet er.

Das Umfeld, das Team und die Arbeitsweise seines neuen Ausbildungsbetriebskonnte Patrick jetzt erst einmal gründlich kennenlernen, u. z. im Rahmeneiner vorgeschalteten „Einstiegsqualifizierung“ (EQ), die er beim Sportkreis seit Mitte Januar 2019 absolvieren konnte. Bei diesem betrieblichen Praktikum wurde ihm klar, dass alles passt und auch das Berufsbild seinen Vorstellungen entspricht. Umgekehrt konnte auch der Sportkreis den jungen Mann gut kennenlernen. „Er hat sich wirklich engagiert, so dass wir ihn in ein Ausbildungsverhältnis übernehmen konnten“, berichtet der Vereinsvorsitzende Roland Frischkorn. Damit hat Patrick gute Perspektiven. Zunächst einmal hat er die Verkürzung seiner dreijährigen Ausbildungsdauer um sechs Monate beantragt, wie dies für EQ-Absolventen möglich ist. Dann stehen aber auch seine Chancen auf eine spätere Übernahme nach der Ausbildung gar nicht schlecht, weil die Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann dem Bedarf beim Sportkreis entspricht.

Galluspark und Bolzplatzliga

Patricks Ausbilder ist Simon Treuherz (29), der selbst seine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann beim Sportkreis absolviert und 2018 abgeschlossen hat. Schon während seines Pädagogikstudiums hatte Simon Treuherz die „Frankfurter Bolzplatzliga F43+“ betreut – ein wichtiges Projekt des Sportkreises, das im Jahr 2013 aus dem „Galluspark Bolzplatz“ hervorging. „F43“ steht für alle 43 Frankfurter Stadtteile, „+“ bezeichnet die Öffnung über den Stadtkreis hinaus auf das gesamte Rhein-Main Gebiet. In dieser selbstverwalteten Liga von Kindern und Jugendlichen knüpfen die Teilnehmer stadtteilübergreifende Kontakte, übernehmen als Schiedsrichter Verantwortung und helfen bei der Koordinierung des Spielbetriebs. Beim „Galluspark Bolzplatz“ wie bei der „Bolzplatzliga F43+“bietet der Sportkreis den Kids ein Feld, sich auszuprobieren und Verantwortung zu übernehmen. Acht Teams aus dem Galluspark bilden den Kern der Liga und auch die Mehrzahl der freiwilligen Schiedsrichter kommt aus dem Ursprungsprojekt.

Das Engagement in der „Bolzplatzliga“ war für Simon Treuherz die Brücke in die Ausbildung beim Sportkreis, als er sein Studium abbrach. Helga Roos vom Gallusprojektebüro des Sportkreises hat ihm damals den Weg geebnet– wie auch Patrick Gombert, der im Gallus aufgewachsen ist und jetzt in der Fechenheimer Geschäftsstelle ausgebildet wird.

Gesellschaftliches Engagement

Damit geht der Sportkreis mit gutem Beispiel voran und setzt selbst das Anliegen eines Projektes, das Helga Roos leitet, in die Praxis um: „Gallus – 1:1für Ausbildung“ entstand 2006 im Vorfeld der Fußball-WM. Junge Ausbildungsplatzsuchende werden hier mit passenden Firmen zusammengebracht und auf dem Ausbildungsweg begleitet, im erforderlichen Fall auch bei der Wohnungssuche und Behördengängen unterstützt. Roland Frischkorn berichtet von jährlich mehr als 150 Jugendlichen, die in diesem Projekt beraten werden, und einem Netzwerk von etwa 300 ausbildungsbereiten Betrieben, das im Lauf der Jahre entstanden ist. „Alle Jugendlichen, die wir in Betriebe vermittelt konnten, haben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen– überwiegend mit sehr guten und teilweise mit hervorragenden Ergebnissen“, stellt Roland Frischkorn fest.

Auch „Baskidball“ wird vom Gallusprojektebüro gemanagt. An mehreren Nachmittagen in der Woche können Kinder und Jugendliche in der Paul-Hindemith-Schule im Gallus und im Jugendhaus Heideplatz in Bornheim unter Anleitung trainieren und sinnvolle Aktivitäten entfalten.

Die Projekte des Sportkreises Frankfurt bzw. der mit ihm verbundenen Sportjugendsind ebenso vielfältig wie kreativ. Sie umfassen „SKIB – Schulkids in Bewegung“, eine gemeinsame Initiative mit der Stadt Frankfurt für mehr Sport für Grundschüler, das jährliche Familiensportfest, die Sportwelt-Arena auf dem Museumsuferfest und den Mitternachtssport in elf Stadtteilen. Aus einer Initiative der Sportkreise Frankfurt, Groß-Gerau, Hochtaunus, Main-Taunus, Main-Kinzig, Offenbach und Wetterau ist auch „Mainova Sport Rhein-Main“ entstanden, eine Informationsplattform zu den Sportvereinen, Veranstaltungen und Angeboten in der gesamten Region.

„Sport und Flüchtlinge ist für uns ein enorm wichtiges Thema“, betont Roland Frischkorn. Der Sportkreis ist eine Schnittstelle in der Kommunikation zwischen Geflüchteten, den Trägern von Aufnahmeeinrichtungen und den Sportvereinen. „Er unterstützt Sport- und Bewegungsangebote für Flüchtlinge, vermittelt Kontakte zu Vereinen und offenen Sportangeboten und fördert damit die Integration durch Sport.“

Dachorganisation für 235.000 Frankfurter

Der Sportkreis Frankfurt ist ein eingetragener Verein (e. V.) mit dem Status der Gemeinnützigkeit und vertritt als Dachorganisation die Interessen von über 235.000 Bürgerinnen und Bürgern, die in verschiedenen Organisationen Sport treiben. Zu ihnen gehören rund 420 Turn- und Sportvereine und Betriebssportgruppen. Die Mitgliedsvereine unterstützt der Sportkreisbeispielsweise in der Öffentlichkeitsarbeit, bei der Weiterentwicklung von Sportangeboten und bei der Mitgliedergewinnung. Mit eigenen Projektenzielt der Sportkreis darauf, für Sport und Bewegung zu begeistern und die Angebote der Vereine öffentlichkeitswirksam bekannt zu machen.

„Sport überwindet Nationalitäten, greift in alle Gesellschaftsbereiche und betont Werte wie Gemeinschaft, Toleranz und Verantwortung und steigert zudem die Fitness und das Wohlbefinden“, erklärt Roland Frischkorn, Vorsitzender des Sportkreises seit 2000. „Sport ist für mich die schönste Nebensache der Welt, aber die mit der besten Breitenwirkung.“ Der gelernte Biologielaborant war Gewerkschaftssekretär beim DGB und Leiter des DGB-Jugendheimes, persönlicher Referent und Büroleiter im Dezernat für Soziales, Jugend und Wohnungswesen der Stadt Frankfurt sowie Mitarbeiter der Geschäftsleitung bei der ABG Frankfurt Holding. Er engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Stadtgesellschaft in Frankfurt, u. v. a. als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Stellvertretende Vorsitzende des Sportkreises sind Dany Kupczik (seit 2018) und Haci Hacioglu (seit 2012).

Simon Treuherz – einst Auszubildender beim Sportkreis Frankfurt und jetzt Ausbilder -, Geschäftsführer Tim Bugenhagen, Vorsitzender Roland Frischkorn und Azubi Patrick Gombert (v. l. n. r.)
Simon Treuherz – einst Auszubildender beim Sportkreis Frankfurt und jetzt Ausbilder -, Geschäftsführer Tim Bugenhagen, Vorsitzender Roland Frischkorn und Azubi Patrick Gombert (v. l. n. r.)