Sport verbindet – Sport integriert

Die SG Bornheim Grün-Weiß e.V. nutzt das Teilhabechancengesetz – Erstes Kinder- und Familienzentrum in Deutschland auf einem Sportplatz

Dr. Harald Seehausen erläutert die Struktur von Vereinen, die einen gemeinnützigen Status haben: Hauptsäule sind die Ehrenamtlichen einschließlich der Übungsleiter, die eine Aufwandsentschädigung im Rahmen der steuerlichen Möglichkeiten erhalten („Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale“), und schließlich die Hauptamtlichen, z. B. Platzwarte und Reinigungskräfte. Sie arbeiten zum Teil als geringfügig Beschäftigte auf Minijob-Basis. Dr. Seehausen selbst ist rein ehrenamtliches Mitglied und Sprecher des Vorstands der SG Bornheim 1945 e. V. Grün-Weiß. Der Fußball mit Herren, Damen-, Jugend- und Kindermannschaften bildet den sportlichen Kern der SG Bornheim, die rund 750 Mitglieder aus 54 Nationen zählt.
Gegründet wurde der Verein im September 1945 als SG Bornheim und war zunächst auch in anderen Disziplinen wie beispielsweise Schwer- und Leichtathletik, Radsport und Handball erfolgreich, bevor sich in den 70er Jahren der Fußball zur Hauptabteilung entwickelte. Anfang der 90er Jahre fusionierte die SG mit dem Nachbarverein SC Grün-Weiß Frankfurt zur SG Bornheim 1945 e.V. Grün-Weiß.
Die Vision des Vereins wurde in einer Zukunftswerkstatt bereits im Jahr 2004 formuliert: „Einen Ort schaffen, der sich als Treffpunkt sämtlicher Generationen und Kulturen auszeichnet. Ein Haus bauen, in dem sich die Kinder und Jugendlichen wohlfühlen, wo Erwachsene sich treffen und miteinander austauschen. Ein Ort, wo aktuelle Fragen des Sports, der Freizeit, des Spiels und des Familienalltags aufgegriffen werden und entsprechende Angebote für neue soziale Aktivitäten zur Verfügung stehen.“ Dieses Leitbild gilt bis heute und wurde mit wichtigen Projekten umgesetzt. Diese geben der SG Bornheim durch die Verbindung von Sport und sozial-integrativen Projekten ein besonderes Gepräge als familienfreundlicher Verein.

Sport braucht keine Sprache

Mit einer ganzen Reihe von Angeboten und Projekten engagierte sich die SG Bornheim seit Beginn der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 in der Flüchtlingsarbeit mit dem Ziel, Geflüchtete und Einheimische zusammen zu bringen. Das Leitmotiv eines der frühen Projekte lautete „Sport braucht keine Sprache – Sport spricht alle Sprachen“. Das vielbeachtetes Projekt „Skyline Soccer“ wurde mit mehreren Events auf dem Vereinsgelände, an der Konstabler Wache und auf dem Rossmarkt mit dem Ansatz durchgeführt, zu zeigen, dass Fußball Brücken baut und Begegnung schafft, ähnlich die Zielrichtung des Refugees-Welcome-Projekt „Frankfurt zeigt Herz“ sowie der offenen Angebote „Erste Begegnungen im Fußballverein“ und die Sport- und Freizeitcamps, die in den Oster-, Sommer- und Herbstferien in Zusammenarbeit mit benachbarten Bildungseinrichtungen und Unternehmen durchgeführt wurden. Über mehrere Jahre wurde unter dem Motto „Offener Schrank“ Kleidung für Flüchtlinge angeboten.
fußball
Rahat Nawas, Dr. Harald Seehausen, Sprecher des Vorstands der SG Bornheim, und Marion Kehl vom Jobcenter Frankfurt (v.l.n.r.)

Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ)

Die SG Bornheim 1945 e.V. Grün-Weiß hatte als erster Sportverein in Frankfurt am Main bereits von Anfang 2007 bis Oktober 2009 das Projekt „Jung und Alt – Sport und Hausaufgaben zusammen“ durchgeführt. Jugendliche entwickelten die Grundidee „Haus der Zukunft“ auf einer Sportreise nach Spanien. Das Projekt verfolgt den Ansatz einer Verbindung von Mittagessen, individueller Förderung bei der Hausaufgabenhilfe, Sport-, Spiel- und Bewegungsaktivität. Das familien- und sozialpolitische Engagement des Vereins zielt auch auf die soziale Integration benachteiligter Kinder unter besonderer Berücksichtigung von Familien mit Migrationshintergrund. Die damaligen Projekterfahrungen flossen in das vereinseigene Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) ein. Dabei handelt es sich um das erste Kinder- und Familienzentrum in Deutschland auf einem Sportplatz überhaupt.

Förderung durch das Teilhabechancengesetz

Ehrenamtlich engagierte sich Rahat Nawaz im Projekt „Pädagogischer Mittagstisch“, bei dem auch ihre drei Kinder betreut wurden. Sie ist 1974 in Pakistan geboren und hat in ihrem Heimatland in einer privaten Grundschule gearbeitet. 2003 reiste sie nach Deutschland ein, konnte wegen der fehlenden Anerkennung ihres Berufsabschlusses und unzureichender Deutschkenntnisse aber keine Beschäftigung finden. Inzwischen hat sie das Sprachniveau B1 erreicht. Der Verein wurde für sie und ihre drei Kinder eine zweite Heimat. Durch ihr Engagement fiel sie Dr. Harald Seehausen in positiver Weise auf. In der Absicht, ihr eine existenzsichernde Perspektive zu verschaffen, kontaktierte er Marion Kehl vom Arbeitgeberservice des Jobcenters Frankfurt. Mit ihrer Unterstützung erreichte er eine Förderung nach dem Teilhabechancengesetz mit der Übernahme der vollen Lohnkosten in den ersten beiden Beschäftigungsjahren und einer degressiven Förderung in den drei Folgejahren so dass dem Verein keine oder nur geringe Personalkosten entstehen. Dr. Seehausen hofft, Rahat Nawaz in den ersten beiden Jahren so weit zu fördern und zu unterstützen, dass sie eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in einer Betreuungseinrichtung finden kann und möglicherweise die Anerkennung ihres erlernten Berufs erreicht. Zusätzlich erwartet er, dass die Tätigkeit bei der SG Bornheim die Einbürgerung der Familie positiv fördert. Dr. Seehausen hat die Beratung durch Marion Kehl als sehr konstruktiv und unterstützend erfahren: „Sie hat ein gutes Händchen bewiesen.“