Flexibel und unbürokratisch – im Interesse der Stadtgesellschaft

Das Jobcenter Frankfurt stellt sich den Herausforderungen der Corona-Pandemie

Fast jeder zehnte in Frankfurt am Main Lebende erhält Leistungen des Jobcenters. Viele zählen zu den Bürgerinnen und Bürgern, die in der einen oder anderen Weise benachteiligt und auf existenzsichernde Leistungen angewiesen sind. Für sie muss das „System Jobcenter“ funktionieren, auch wenn der Stillstand des öffentlichen Lebens von einem auf den anderen Tag angeordnet wird. Alle Jobcenter-Einrichtungen in der Stadt wurden für den Publikumsverkehr geschlossen und die persönlichen Kontakte zu den 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jobcenters unterbrochen. Ein Systemausfall hätte katastrophale menschliche und soziale Folgen und würde den gesellschaftlichen Frieden gefährden. Rund fünf Monate nach dem Lockdown am 16. März 2020 ist festzustellen, dass das Jobcenter Frankfurt am Main die Herausforderungen der Corona-Pandemie angenommen und bewältigt hat.

Sofort am Lock-down-Tag wurden unbürokratische und flexible Maßnahmen ergriffen, die viele von einer Behörde wie dem Jobcenter nicht erwartet hätten: Anträge auf Grundsicherungsleistungen und Weiterbewilligungsanträge konnten telefonisch unter einer lokalen Sammelrufnummer und Weiterbewilligungsanträge online gestellt werden. Kundinnen und Kunden konnten Anträge auch formlos per Mail übersenden oder in die Hausbriefkästen einwerfen. Alle persönlichen Gesprächstermine entfielen ohne Rechtsfolgen und ohne finanzielle Nachteile.

Die Umstellung von der Beratung bei „persönlichen Vorsprachen“ auf telefonische Kontakte, E-Mail-Kommunikation oder den klassischen Postweg war ein gewaltiger organisatorischer Kraftakt unter den erschwerten Bedingungen von Gesundheitsschutz und Homeoffice-Arbeit. Fast die Hälfte des Jobcenterpersonals wurde in Spitzenzeiten in der telefonischen Beratung eingesetzt und dafür z. T. aus unterschiedlichen anderen Aufgabenbereichen abgezogen – nicht nur um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten, sondern auch zur Bewältigung einer Flut von Neuanträgen.

Mehr als 10.000 Neuanträge wurden seit Beginn der Corona-Pandemie im Jobcenter Frankfurt gestellt. Viele „Neukunden“ hatten vorher nie etwas mit dem Jobcenter zu tun, z. B. die Soloselbständigen, die nach Auftragsverlusten – ohne Anspruch auf Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld – auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sind. In der Regel ist es gelungen, die Anträge in einem vereinfachten Verfahren schnell zu bearbeiten, und nicht wenige Betroffene haben das auch ausdrücklich anerkannt. Die Zahl der Bezieher von Kurzarbeitergeld, die zusätzlich aufstockende Leistungen des Jobcenters beantragt hätten, sei hingegen relativ gering.

„Die Vermittlung in Arbeit und Ausbildung ist nicht zum Erliegen gekommen, doch sind die hohen Erfolgszahlen wie im Boom der Vorcoronazeit derzeit nicht zu erreichen“, stellt Jobcenter-Geschäftsführerin Claudia Czernohorsky-Grüneberg fest. Der Bedarf in einzelnen Segmenten des Handels, in Sicherheit, Reinigung, Lager/Logistik und in den Gesundheitsberufen war durchaus vorhanden und konnte vielfach gedeckt werden.

Bildungseinrichtungen und Maßnahmeträger sind wichtige Partner der Arbeitsverwaltung, deren Arbeit unter den Bedingungen von Corona erheblich beeinträchtigt ist. Das Jobcenter war und ist bemüht, die gewachsenen erfolgreichen Strukturen der vielfältigen Frankfurter Bildungsträgerlandschaft zu erhalten. Die Geschäftsführerin nennt dafür zwei Ansätze – einmal die Zulassung von alternativen Formen der Maßnahmedurchführung durch telefonische und digitale Betreuung anstelle der persönlichen Präsenz und sodann eine finanzielle Kompensation im Rahmen des SozialdienstleisterEntsendegesetzes (SodEG).