Einschätzungen der Arbeitsmarktforschung

Durch die Corona-Pandemie ist die Berufsgruppe der Pflegeberufe derzeit stark in den öffentlichen Fokus gerückt. Angesichts dessen soll ein Schlaglicht auf die Situation der Pflegeberufe auf dem Pflegearbeitsmarkt in Frankfurt am Main geworfen werden.

Grundlage dafür sind Daten aus dem Pflegearbeitsmarktmonitoring „Hessischer Pflegemonitor“, das vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration gefördert und vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität durchgeführt wird (www.hessischer-pflegemonitor. de).

Im Dezember 2017 waren in Frankfurt 8.535 Pflegekräfte tätig, mehr als die Hälfte davon in Akutkrankenhäusern. Die Nachfrage nach Pflegekräften ist anhaltend hoch. Im derzeit aktuellsten Berichtsjahr 2018 haben die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in Frankfurt laut dem „Hessischen Pflegemonitor“ mehr Pflegekräfte gesucht, als auf dem Arbeitsmarkt verfügbar waren. Etwa gleich groß waren die Lücken rein rechnerisch für Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen (-479 Köpfe) und für Altenpfleger/innen (-469 Köpfe).

In der Kinderkrankenpflege fehlten 47 Fachkräfte, und auch das Angebot an Pflegehelfer/-innen reichte nicht aus, um die Nachfrage der Arbeitgeber zu decken. Frankfurt war damit stärker als andere hessische Kreise und Städte vom Pflegekräftemangel betroffen. Um den Mangel in der Krankenpflege zu kompensieren, hätte die Anzahl der Absolvent/-innen in den Pflegeberufen um das Vierfache höher liegen müssen.

In der Intensivpflege, wo auch Covid-19-Patienten/-innen mit schweren Verläufen beatmet werden, sind Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen mit einer Weiterbildung für Intensivpflege und Anästhesie eingesetzt. 119 Fachkräfte mit dieser Qualifikation haben die Frankfurter Kliniken im Jahr 2018 nachgefragt bei einem Angebot von lediglich 31 Absolventen/-innen der Weiterbildung. Auch hier bestand also ein Engpass.

Selbst wenn keine direkten Schlüsse von den Daten des „Hessischen Pflegemonitors“ zur Versorgungssituation in den Kliniken gezogen werden können, ist es derzeit erforderlich, das Gesundheitssystem durch Einhalten der Hygiene- und Verhaltensregeln möglichst zu entlasten. Perspektivisch gilt es, tragfähige Lösungen für die Sicherung des Pflegekräftebedarfs zu erarbeiten.

Oliver Lauxen,
Leiter des Bereichs Regionale Arbeitsmärkte IWAK – Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur, Zentrum der Goethe-Universität Frankfurt am Main