Hotelfachfrau mit Lebenshintergrund

Aus dem Iran geflüchtet – in Frankfurt integriert

Dass es schmerzhaft wird, wusste sie. Am Ende war es weniger
schlimm, als erwartet. Pegah Shabanpour sitzt in einem Eiscafé
in Frankfurt Höchst und schaut nachdenklich auf ihren linken Unterarm.
Diesen ziert das Tattoo „Ahmad & Behjat“. Es sind die Namen
ihrer Großeltern. Das Tattoo steht für weit mehr als für ein
sehr persönliches Bekenntnis zu ihren Großeltern. Es zeigt: Pegah
Shabanpour ist eine eigenständige und freie Frau. Sie musste lernen,
Leid zu ertragen und das Beste aus ihrer Lebenssituation zu
machen. Etwas anderes blieb ihr auch nicht übrig. Mit 15 Jahren
floh sie aus dem Iran und kam 2012 nach Deutschland.

„Das Leben hat mir bereits einige Aufgaben gestellt“, resümiert die 21-jährige
nachdenklich, um kurz darauf hinzuzufügen: „Sie haben mich aber auch weitergebracht.“
Es ist sicher auch ihre positive Lebenseinstellung, die es ihr leichter
machte, in Deutschland anzukommen. Nachdem ihre Mutter sie aus dem
Iran in die Türkei brachte, reiste sie ohne Familie weiter nach Deutschland.
Dass ihr Onkel bereits ins Deutschland lebte, beruhigte sie ein wenig auf dem
Weg ins unbekannte Land. Ihren Onkel sollte sie allerdings erst sieben Monate
nach der Ankunft in Gießen sehen. Zunächst besuchte sie sechs Monate lang
einen Sprachkurs und schloss anschließend die Hauptschule erfolgreich ab.
Schulisch sollte es für sie genauso erfolgreich weiter gehen: Der Besuch der
zweijährigen Berufsfachschule ermöglichte ihr den Realschulabschluss.
So rosig und einfach, wie es auf den ersten Blick aussehen mag, war es
allerdings nicht. „Das erste Jahr war sehr schwer. Ein ganz neues Land, mit
Menschen, die ich nicht verstand, und einer Kultur, die mir ebenfalls fremd
war“, erklärt Shabanpour. Erste Freundschaften halfen ihr, die Sprachbarrieren
zu überwinden.

Danach gefragt, woher sie ihre Kraft nimmt, wird sie erneut nachdenklich:
„Meine Mutter hat mich hierher geschickt, damit ich ein besseres und freies
Leben führen kann. Ich möchte sie stolz machen.“ Ihre Mutter hat sie das
letzte Mal vor drei Jahren gesehen. Umso wichtiger sind ihr die regelmäßigen
Telefonate, in denen sie „Mutter-Tochter-Gespräche“ führen.

Über die Fluchtgründe möchte sie nicht sprechen: „Aus privaten Gründen“,
erklärt sie dann und schiebt nach: „Es ist doch besser, in die Zukunft zu blicken
und die Vergangenheit hinter sich zu lassen.“ Hinter sich lassen musste
sie neben ihrer Familie auch den Iran, über den sie sagt: „Im Iran ist Gastfreundschaft
sehr wichtig. Kommen drei Gäste, kocht man für zehn.“ Diese
gastfreundliche Mentalität hilft ihr nun in ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau,
die sie im März 2018 begonnen hat.

Ein abwechslungsreicher Beruf, der, wie sie findet, ganz gut zu ihr passt:
„Im Büro sitzen, ist so gar nicht meins.“ Vielmehr genießt sie den Umgang
mit den Gästen. Zwischen ihrem Realschulabschluss und dem Beginn der
Ausbildung lagen zwei Jahre – viel zuviel verschwendete Zeit, wie sie im
Nachhinein findet. „Mir hat eine Bezugsperson gefehlt, die mir das deutsche
System erklärt und mir Türen öffnet.“ Aus diesem Grund jobbte sie nach
dem Realschulabschluss erst einmal und spielte mit dem Gedanken, Krankenschwester
zu werden. Keine gute Idee, da sie kein Blut sehen könne. „Es
gibt so viele Berufe in Deutschland, die ich nicht kannte.“ Geholfen und eine
Tür geöffnet hat ihr schließlich das Jobcenter Frankfurt, die ihr im Herbst
2017 die „Joblinge“ vorschlugen.

Hotelfachfrau
Pegah Shabanpour flüchtete als 15-Jährige aus dem Iran – heute ist sie 21 und hat
einen Ausbildungsplatz zur Hotelfachfrau.

„Joblinge“ ist eine Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit. Seit 2008 unterstützt
sie junge Menschen auf dem Weg ins Arbeitsleben, die als nicht oder
schwer vermittelbar gelten. Auf die Maßnahme angesprochen, findet Pegah
Shabanpour nur lobende Worte. Neben der Berufsorientierung stand in der
sechsmonatigen Maßnahme auch ein selbstorganisiertes Theaterstück auf
dem Programm: „Das Thema durften wir selbst festlegen. Da gerade Weihnachtszeit
war, entschieden wir uns für ein Stück, in dem Jesus ins Jobcenter
geht“, erklärt sie. Neben ihrer kreativen Ader entdeckte sie dort auch ihr
Organisationstalent. In der Maßnahme lernte sie, originelle Bewerbungen zu
schreiben. „In die Bewerbung für meine Ausbildung zur Hotelfachfrau habe
ich zum Beispiel geschrieben, dass es wichtig ist, dem Kunden ein gutes
Gefühl zu vermitteln.“

Ein gutes Gefühl konnte sie mit dieser Bewerbung auch ihrem heutigen
Vorgesetzten vermitteln, weshalb er sie zum Vorstellungsgespräch einlud.
Nun erwartet sie eine rosige Zukunft im Hotelgewerbe. Ein eigenes Hotel
möchte sie später allerdings nicht besitzen. Vielmehr verfolgt sie das
Ziel, Hoteldirektorin zu werden. Bis dahin möchte sie aber gerne noch
Auslandserfahrung
sammeln: „Wenn ich meine Ausbildung fertig habe,
würde ich gerne für eine gewisse Zeit in Spanien arbeiten“, schwärmt sie.
Wenn sie eines in ihrem Leben gelernt habe, dann, wie wichtig es sei, sich
Ziele zu setzen.


AUSBILDUNG IN TEILZEIT – EIN NEUER WEG

Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch in der Ausbildung
Wenn junge, motivierte und qualifizierte Fachkräfte fehlen, sind neue
Wege gefragt. Ausbildung in Teilzeit ist eine Chance für Betriebe, den
Kreis der Bewerberinnen und Bewerber zu erweitern. Ausbildung in Teilzeit
ist auch eine Alternative für junge Frauen und Männer mit Kindern
oder pflegebedürftigen Angehörigen, trotz familiärer Verpflichtungen
eine tragfähige berufliche Basis zu schaffen.

Wenn junge Menschen wegen ihrer familiären Situation keine Möglichkeit
haben, eine Ausbildung in Vollzeit zu absolvieren, muss der Weg in
einen Lehrberuf nicht verschlossen bleiben. Denn auch für sie gilt: Eine
qualifizierte Berufsausbildung ist die wichtigste Voraussetzung für eine
eigenständige Lebensperspektive. Sie bildet daher gerade auch für junge
Frauen und Männer mit Kindern eine unverzichtbare Voraussetzung für
die nachhaltige Sicherung des Familienunterhalts.

Das Berufsbildungsgesetz (§ 8 BBiG) und die Handwerksordnung (§ 27b
HwO) regeln die Möglichkeiten einer Teilzeitausbildung. Grundsätzlich
können alle anerkannten betrieblichen Ausbildungsberufe auch in Teilzeit
erlernt werden. Betriebe können in den Ausbildungsverträgen die Zeiten