Besonders im Fokus – die Ausbildung

Förderprogramme von Bund und Land sichern die Ausbildung in Corona-Zeiten

Besonders im Fokus – die Ausbildung
Das neue Ausbildungsjahr hat vor wenigen Wochen begonnen – aber unter einem ganz anderen Vorzeichen als zuvor. Das deutsche Jobwunder der vergangenen Jahre und die anhaltend positive Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt wurden und werden durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt. An den Grundtatsachen hat sich indes nicht viel geändert: Die berufliche Ausbildung ist für die Betriebe einer der Königswege der Fachkräftegewinnung und schafft gleichzeitig für junge Menschen ein solides Fundament der Existenzsicherung und der gesellschaftlichen Teilhabe. In der Tendenz haben sich Ausbildungsbetriebe später als bisher für den Abschluss von Ausbildungsverträgen entschlossen und zum Teil sogar ihre Ausbildungspläne zurückgestellt.

Auch das Jugendjobcenter Frankfurt, in dem das Jobcenter, die Berufsberatung der Arbeitsagentur Frankfurt und die städtische Jugendberufshilfe im Sinn einer ganzheitlichen Betreuung junger Frankfurter zusammenarbeiten, ist von Corona betroffen, weil die Beratungsmöglichkeiten eingeschränkt waren und sind, zumindest bei den „persönlichen Vorsprachen“, wie es heißt. Dennoch hat das Jugendjobcenter alle Anstrengungen unternommen, denn die Ausbildungschancen junger Menschen sollen von der aktuellen Situation so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Dieses Ziel verfolgen auch Förderprogramme des Bundes und des Landes Hessen zur Unterstützung von Ausbildungsbetrieben, die bereits begonnene Ausbildungen fortführen, mit Ausbildungen neu beginnen oder Auszubildende aus Insolvenzbetrieben übernehmen. Die Bundesförderung konzentriert sich auf das Ausbildungsjahr 2020. Die Landesprogramme laufen in der Regel länger, wobei die Fördermittel für das Ausbildungsjahr 2020/2021 erheblich ausgeweitet wurden.

Ausbildungsförderung des Landes Hessen

Die Umsetzung des Bundesprogramms „Ausbildung sichern“ soll der Bundesagentur für Arbeit übertragen werden. Förderanträge können nach Veröffentlichung der Förderrichtlinien bei der für das jeweilige Unternehmen örtlich zuständigen Agentur für Arbeit gestellt werden.

Verbundausbildung in KMU 

Antragsberechtigt sind KMU bis 249 Beschäftigte als Stammbetriebe – außer Bundes- und Landesbehörden –, Bildungseinrichtungen, überbetriebliche Ausbildungsstätten, Wirtschaftsverbände und Ausbildungsbetriebe als Verbundpartner von KMU-Stammbetrieben. Gefördert werden Ausbildungsverhältnisse mit Auszubildenden, die bis zum 1. Oktober 2020 bzw. 2021 keinen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben, in KMU, die mit Partnern in den Ausbildungsjahren 2020 und 2021 als Verbundausbildung begonnen werden. Bezuschusst wird die Ausbildungsvergütung in Höhe des ersten Ausbildungsjahres und die Kosten der externen Ausbildungstage im Rahmen der Verbundausbildung mit 68,00 EUR pro externen vollen Ausbildungstag.

Ausbildung von Hauptschülern und -innen 

Ausbildungsbetriebe jeder Betriebsgröße und Rechtsform – außer Bundesund Landesbehörden – können bis zum 31. Oktober 2020 Förderanträge beim Neuabschluss von Ausbildungsverträgen mit Hauptschülern des Abschlussjahres 2020 und Ausbildungsbeginn 2020 stellen. Die Förderhöhe beträgt im ersten Ausbildungsjahr 50 % und im zweiten 25 % der Ausbildungsvergütung.

Abbrecher, Altbewerber und Jugendliche mit erhöhtem Sprachförderbedarf 

Einen Zuschuss in Höhe der geleisteten tariflichen Ausbildungsvergütung für längstens sechs Monate können Ausbildungsbetriebe jeder Größe und Rechtsform – außer Bundes- und Landesbehörden – beantragen, wenn sie Ausbildungsverträge nach BBiG bzw. HwO mit Auszubildenden aus Insolvenzbetrieben, nach Ausbildungsabbruch und Haftentlassung fortsetzen oder mit Altbewerbern (Vorjahr oder früher) und bei erhöhtem Sprachförderbedarf (unter 27 Jahre) neu abschließen.

Programme des Bundes

Ausbildungsprämie 

KMU bis 249 Mitarbeiter können die Ausbildungsprämie aus dem Bundesprogramm „Ausbildung sichern!“ beantragen, wenn sie durch die Covid19-Krise in erheblichem Umfang betroffen sind, d. h. mit mindestens einem Monat Kurzarbeit im ersten Halbjahr 2020 oder 60 % Umsatzrückgang im April und Mai 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum bzw. im November und Dezember 2019 bei Neugründungen. Die Förderung greift, wenn diese KMU Ausbildungsverträge neu abschließen und dabei die Anzahl der Ausbildungsplätze aufrechterhalten. Sie erhalten einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 2.000,00 EUR für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag.

Ausbildungsprämie plus 

Bei einer Erhöhung der Anzahl der Anzahl der für 2020 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge erhalten KMU bis 249 Mitarbeiter, die durch die Covid-19-Krise in erheblichem Umfang betroffen sind, die Ausbildungsprämie plus als einmaligen Zuschuss in Höhe von 3.000,00 EUR für jeden Ausbildungsvertrag.

Zuschuss zur Vermeidung von Kurzarbeit 

KMU bis 249 Mitarbeiter, die ihre Ausbildungsaktivitäten trotz eines erheblichen Arbeitsausfalls von mindestens 50 % fortsetzen, erhalten Fördermittel, wenn sie die Ausbildung ohne Kurzarbeit fortsetzen. Befristet bis zum 31. Dezember 2020 bekommen sie für jeden Monat ohne Kurzarbeit Zuschüsse in Höhe von 75 % der Brutto-Ausbildungsvergütung für Auszubildende und Ausbilder außerhalb der Zeiten des Berufsschulunterrichts.

Übernahmeprämie bei Insolvenz 

Antragsberechtigt sind KMU bis 249 Mitarbeiter, die Auszubildende aus pandemiebedingt insolventen KMU bis zum 31. Dezember 2020 für die Dauer der restlichen Ausbildung übernehmen. Gewährt wird eine einmalige Übernahmeprämie für jeden Auszubildenden in Höhe von 3.000,00 EUR.

Allgemeine Hinweise 

Unternehmen können nur eine Prämie pro Ausbildungsvertrag erhalten. Sie können die Förderungen aus dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ nicht mit Förderungen auf anderen rechtlichen Grundlagen oder nach anderen Programmen des Bundes oder der Länder kombinieren, die die gleiche Zielrichtung oder den gleichen Inhalt haben.

Die Ausbildungsprämie und die Ausbildungsprämie plus werden erst nach erfolgreicher Beendigung der Probezeit des Auszubildenden gewährt. Es werden ausschließlich Ausbildungsverhältnisse gefördert, die im Zeitraum von 01.08.2020 bis 15.02.2021 beginnen. Eine Gewährung der Prämie kann nur erfolgen, wenn sie rechtzeitig beantragt und der Antrag auf den Formularen der Bundesagentur für Arbeit eingereicht wird.

Fokus Ausbildung

Für die Sicherstellung der dualen Ausbildung in Corona-Zeiten plädiert nachdrücklich das Bündnis „Ausbildung Hessen“, in dem das Land, die Kammern und Verbände der Wirtschaft, die Gewerkschaften, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit und die kommunalen Spitzenverbände vertreten sind. In einer gemeinsamen Erklärung betonen sie, es gelte auch in Zeiten der Corona-Pandemie alles daran zu setzen, „dass junge Menschen in Hessen eine Berufsausbildung aufnehmen bzw. erfolgreich fortsetzen und beenden können. Denn das bewährte und international hoch geachtete System der dualen Berufsausbildung stellt auch in Krisenzeiten den Schlüssel zur Fachkräftesicherung von morgen dar. Der Erhalt seiner Funktionsfähigkeit hat daher oberste Priorität.

Die Partner des Bündnis Ausbildung Hessen appellieren nachdrücklich an die Betriebe, auch in diesen schwierigen Zeiten in ihren Ausbildungsanstrengungen nicht nachzulassen.“

Den Partnern des Bündnisses ist eine Anerkennung wichtig: „Betriebe wie auch Berufsschulen, Auszubildende, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Lehrerinnen und Lehrer müssen in diesen Zeiten vielfach und vielerorts flexibel reagieren, um die duale Ausbildung in angepasster Form umzusetzen. Das verlangt viel von allen Beteiligten ab und dafür sprechen die Bündnispartner ihren Respekt und Dank aus: An alle, die sich dafür einsetzen, im Betrieb und in den Berufsschulen, die duale Ausbildung zu stärken und den Herausforderungen mit konstruktiven Lösungen zu begegnen.“

Im Sinn dieser „konstruktiven Lösungen“ spricht sich das Bündnis für die Nutzung digitaler Kommunikationsmittel und Lernplattformen aus und verweist auf die Möglichkeit eines späteren Ausbildungsbeginns: „Den im Bündnis Ausbildung Hessen verabredeten Nachvermittlungsaktionen kommt gerade im aktuellen Ausbildungsjahr eine besondere Bedeutung zu, denn ein späterer Ausbildungsstart, beispielsweise im Oktober oder November 2020, ist wie bisher auch weiterhin möglich.“