Krifteler Familienbetrieb engagiert sich – Helferjob vor der Ausbildung

Druckerei Ockel bildet jungen Iraner aus

Schon in seiner iranischen Heimat hat Mehran Farsi an deutschen Druckmaschinen gearbeitet. Die Branche wollte er nach seiner Flucht nicht wechseln. Jetzt wird der 29-Jährige im dualen System in einem modernen Druckbetrieb in Kriftel ausgebildet: „Wir freuen uns auf unseren neuen Auszubildenden Mehran Farsi. Der gebürtige Iraner hat seine drei Jahre dauernde Ausbildung zum Medientechnologen Druckweiterverarbeitung begonnen. Wir wünschen ihm dabei viel Glück und Freude an der Ausbildung.“ So steht es auf der Internetseite der Offsetdruckerei Ockel.

Mehran Farsi arbeitet in einem Team von 30 Mitarbeitern. „Wir dürfen uns schon lange ‚Multikulti-Truppe‘ nennen“, berichtet Geschäftsführerin Silvia Ockel, die gemeinsam mit ihrem Bruder Eberhard den 1964 von den Eltern gegründeten Betrieb führt – er als Drucktechniker, sie hat ihren Schwerpunkt im Kaufmännischen. „Menschen aus acht Nationen und drei Erdteilen machen bei Ockel erfolgreich gemeinsame Sache, arbeiten und lachen zusammen, in den unterschiedlichsten Funktionen und Positionen. Völlig gleich, woher, wie und warum, alle sind willkommen und hier lernt jeder von jedem und alle voneinander – und das schon seit vielen Jahren.“

Der junge Iraner kam 2015 nach Deutschland. In sein Heimatland kann und möchte er nicht zurückkehren. Wenn er seine Eltern und Geschwister treffen möchte, muss er in die Türkei reisen. Er hat ein Aufenthaltsrecht in Deutschland bis zum Jahr 2020, erwartet dann eine dreijährige Verlängerung und hofft anschließend auf ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht. Sein Bleibeund Integrationswille ist ausgeprägt. Mehran Farsi hat den Sprach- und Integrationskurs absolviert und das Sprachniveau B1 erlangt – das B2-Zertifikat fehlt ihm noch – und damit die Voraussetzungen für die Ausbildung geschaffen.

Mehran Farsi (li.) mit seinem Ausbilder Luca Muriale (re.)
Mehran Farsi (li.) mit seinem Ausbilder Luca Muriale (re.) am Leitstand einer modernen Druckmaschine

Mehran Farsi, der in Frankfurt wohnt und vom Jobcenter Frankfurt am Main betreut wird, hat sich bei der Offsetdruckerei Ockel aktiv beworben. Während einer Probearbeit konnte er seine Motivation und seine Leistungsbereitschaft zeigen und vor allem durch sein verbindliches und freundliches Verhalten überzeugen, wie sich Silvia Ockel erinnert. So bekam der junge Iraner die Chance, im Januar 2018 als Druckereihelfer zu beginnen. Das Jobcenter Frankfurt hat den Start in die deutsche Arbeitswelt mit einem Eingliederungszuschuss (EGZ) für den Arbeitgeber erleichtert. Seine Arbeit hat er ordentlich, pünktlich und fleißig erledigt und im Team wurde er voll akzeptiert – gute Gründe für Silvia und Eberhard Ockel, Mehran Farsi einen Ausbildungsvertrag ab 1. August anzubieten. Für den Betrieb war dies gleichzeitig nach einigen Jahren der Wiedereinstieg in die Ausbildung.

Geschäftsführerin Silvia Ockel zeigt Klaus Pörings vom Arbeitgeber-Service des Jobcenters Frankfurt am Main den aufwändig produzierten Afrikakalender
Geschäftsführerin Silvia Ockel zeigt Klaus Pörings vom Arbeitgeber-Service des Jobcenters Frankfurt am Main den aufwändig produzierten Afrikakalender, den die Krifteler Offsetdruckerei jährlich für Kunden und Geschäftspartner herstellt.

Im Druckbereich arbeitet das PSO-zertifizierte Unternehmen ausschließlich mit ausgebildeten Fachkräften an hochmodernen, elektronisch gesteuerten Mehrfarbenmaschinen von MAN-Roland und KBA. Ausgebildete Fachkräfte, moderne Maschinen und zertifizierte Prozesse sind die Instrumente, hohen Qualitätsstandards gerecht zu werden. In der Druckweiterverarbeitung haben auch angelernte Kräfte eine Chance.

Mit einem Fertigungskomplett-Angebot einschließlich Druckvorstufe, Weiterverarbeitung, Logistik und Versand, Kundennähe, Beratungsservice, Flexibilität und modernen Anlagen behauptet sich die Offsetdruck Ockel GmbH im Wettbewerb. Zum Kundenkreis zählen vor allem auch internationale Fluggesellschaften, wie Silvia Ockel berichtet. „Wir genießen das Vertrauen der Flughafenbetreiber und der Fluggesellschaften, indem wir als ‚bekannter Lieferant von Bordvorräten‘ eingestuft werden und direkt in die sicherheitsrelevanten Bereiche liefern können.“