Corona – ein Schub für die Digitalisierung, ein Impuls für die berufliche Qualifizierung?

Rechtsanwalt Friedrich Avenarius ist alternierender Vorsitzender des Beirats des Jobcenters Frankfurt an Main.
Rechtsanwalt Friedrich Avenarius ist alternierender Vorsitzender des Beirats des Jobcenters Frankfurt an Main.

Im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie hat sich die Digitalisierung in allen Bereichen unseres Lebens deutlich beschleunigt und sich als eine wichtige Stütze in der Krise erwiesen. COVID-19 hat die digitale Transformation in der Industrie und anderen Wirtschaftszweigen vorangetrieben. Die Betriebe haben schnell auf die Einschränkungen und Herausforderungen reagiert, die durch das Virus entstanden sind. Die Corona-Krise hat Schwächen in den Arbeits- und Produktionsabläufen aufgedeckt und uns gezeigt, was in Zukunft anders gemacht werden muss. Viele Unternehmen haben bereits die richtigen Rückschlüsse gezogen, indem sie ihre Produkte und Dienstleistungen weiter digitalisiert haben. Corona sollten wir folglich nicht nur als Stresstest begreifen, sondern auch als Chance für Veränderungen und neue Visionen. Die wichtigsten Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem aktuellen Digitalisierungsschub gilt es daher unbedingt auch zukünftig zu nutzen – insbesondere im Hinblick auf den Strukturwandel.

Je digitaler die Industrieunternehmen aufgestellt sind, desto schneller erholen sie sich von den Folgen der Corona-Krise. Vernetzte Maschinen machen Betriebe resistenter gegenüber Störungen in der Lieferkette. Die digitalen Technologien haben ihren praktischen Nutzen während der Pandemie auf vielfältige Art bewiesen. Produktionsmitarbeiter können schlecht im Homeoffice arbeiten und die Arbeitgeber sind für deren Gesundheit verantwortlich. Digitale Geräte erleichtern dieses Unterfangen. So benachrichtigen etwa Smartwatches die Mitarbeiter, wenn Abstandsregeln nicht eingehalten werden.

„Das Rhein-Main-Gebiet birgt ein riesiges Potenzial für einen Wissens- und Technologietransfer.“

Darüber hinaus sorgen Branchenverbände wie HESSENMETALL für eine Vernetzung zwischen IT-Anbietern und IT-Anwendern, sodass die Start-Ups traditionelle Industriebetriebe bei der digitalen Transformation unterstützen. Beide Seiten profitieren von diesem Austausch und dem Know-how des jeweils anderen. Vor allem das Rhein-Main-Gebiet birgt ein riesiges Potenzial für einen Wissens- und Technologietransfer, denn hier schlägt das Herz der hessischen Start-Up-Szene. Zudem gilt es, den Unternehmen in der Region einen besseren Zugang zu den Hochschulen zu ermöglichen. Im Zusammenspiel von Universität und Praxis können nämlich innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte entstehen. HESSENMETALL Rhein-Main-Taunus kooperiert deshalb seit kurzem mit der Frankfurt University of Applied Sciences (FUAS).

Weiterbildung ist essenziell, um in der Arbeitswelt 4.0 bestehen zu können

Die Unternehmen müssen sowohl für den technischen Wandel als auch für die veränderte Arbeitskultur passende Antworten entwickeln. Es ist sehr wichtig, dass die Belegschaft in den Prozess der Digitalisierung miteingebunden wird. Neue Funktionen und Anforderungen entstehen, während andere Aufgabenbereiche verschwinden werden. Die Weiterbildung der Beschäftigten ist der Schlüssel, um einerseits Akzeptanz für die Neuerungen zu schaffen und andererseits diese umsetzen zu können.

Die Arbeitgeber stehen vor der Aufgabe, gezielt Fähigkeiten bei ihren Mitarbeitern aufzubauen. Die Beschäftigten müssen sich Kenntnisse aneignen, die für die Digitalisierung relevant und auf dem zukünftigen Arbeitsmarkt gefragt sind. Dazu zählen etwa die komplexe Datenanalyse, Webprogrammierung sowie die Konzeption und Administration vernetzter IT-Systeme. Gerade in Zeiten der Rezession ist Weiterbildung wichtig. Die in Kurzarbeit befindlichen Unternehmen können Leerlaufzeiten sinnvoll nutzen, um sich für die Zukunft zu wappnen.

Aber nicht nur in Corona-Zeiten ist Anpassungsfähigkeit gefragt. Lebenslanges Lernen ist die Grundvoraussetzung, um in der Arbeitswelt 4.0 bestehen zu können.

Wer an der Arbeitswelt von morgen teilhaben will und jetzt arbeitslos ist, darf nicht abgehängt werden. Die Förderung beruflicher Kompetenzen, insbesondere in digitalen Feldern, muss deshalb insbesondere auch für die Kunden/-innen der Jobcenter einen sehr hohen Stellenwert haben.