Frankfurter

Citymanagement – Neue Impulse in Post-Coronazeiten

Von Eduard M. Singer, Leiter City- und Stadtmarketing Frankfurt am Main

Mit der Februar-Ausgabe 2021 beleuchtete das Magazin „Focus“ Jobs der Zukunft. Unter dem Titel „Die besten Jobs für morgen“, war unter den 44 vorgestellten Jobs auch der Citymanager zu finden. Demografischer Wandel und digitale Transformation haben unsere Arbeitswelt revolutioniert. Überraschend, dass ein kommunikativer und verbindender Beruf, wie der des Citymanagers / der Citymanagerin, es auf die Liste der Zukunftsberufe gebracht hat.
Innenstädte und Zentren sind seit jeher Orte des urbanen Lebens, das geprägt ist durch Handel, Wohnen, Arbeit, Kultur, Tourismus und das Aufeinandertreffen und Zusammenkommen von Menschen. Eben diese Lebendigkeit durch Nutzungsmischung bringt es mit sich, dass Innenstädte und Zentren sich in einem dauerhaften Prozess des Wandels befinden. Städte sind seit jeher Ausdrucksraum und Gestaltungskraft, sie sind Zeugnis einer jahrtausendealten Entwicklung des Zusammenlebens im verdichteten Raum. Die Pandemie hat den Wandel beschleunigt. Neue Erwartungen und neue Ansprüche an das bisherige Selbstverständnis der Innenstadt als Einkaufsort kommen auf. Stadtteile aber insbesondere Zentren sind aktuell einem Dauerstress ausgesetzt. Innovation, Veränderung, zukunftstragende Konzepte sollen geschaffen werden, dazu werden Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemiefolgen erwartet.
Eduard M. Singer, Leiter City- und Stadtmarketing
Eduard M. Singer, Leiter City- und Stadtmarketing

Die Rolle des/der Citymanager/in ist bedeutender denn je.

Die Position des / der Citymanager/in wird in vielen Kommunen neu geschaffen oder auch weiterentwickelt. Citymanagement wird unterschiedlich verortet und zugewiesen, die Stelle ist oft in der Verwaltung angesiedelt, in der Wirtschaftsförderung, ist Teil eines Referats auf politischer Ebene, in städtischen Gesellschaften verankert oder in einem Verein positioniert. Citymarketing sollte als feste Säule des Stadtmarketings gesehen werden.
Citymarketing ist Innenstadtmarketing und hat die Steigerung der Attraktivität des Stadtzentrums und die Belebung der City in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht zur Aufgabe. Citymarketing (Innenstadtmarketing) schließt die Stadtteile mit ein und steht mit Standortmarketing, Stadtteilmarketing, Tourismusmarketing, Verwaltungsmarketing und Kommunalem Marketing im Einklang. Die Hauptaufgabe des/der Citymanager/in ist es, die genannten Marketingsäulen zu vereinen, dadurch Zusammenarbeit zu vereinfachen, Prozess- und Entscheidungswege zu beschleunigen und Bürokratiehindernisse abzubauen.
„In Frankfurt wollen wir den Folgen von (Post-)Corona durch viele gezielte Maßnahmen im Sommer/Herbst entgegenwirken. Dadurch soll die Tristesse und die Schockstarre bei den Wirtschaftsakteuren und Konsumenten gelöst werden.“
Frankfurt
Die Entwicklung und Gestaltung zukünftiger Innenstädte wird maßgeblich von wichtigen Faktoren beeinflusst und muss in Planung, Konzeption und Umsetzung mitbedacht werden, u. a. sind dies: Digitalisierung, Sicherheit, Sauberkeit, Umwelt und Nachhaltigkeit, Verkehr und Mobilität, Handel und Gastgewerbe, Kultur, Infrastruktur, Wohnen, Stadtplanung und Architektur. Dabei sollten notwenige Veränderungsprozesse wie Mut zu Experimenten, Angebotsmix, Gesellschaft, Generationen, Individualität bedacht und in Prozesse einbezogen werden.
Aus meiner Sicht ist es aktuell wichtig, notwendige Prozesse anzustoßen. Ebenso ist es aber gleichsam von Bedeutung, sich bewusst und ausreichend Zeit zu nehmen, zu diskutieren, interkommunale Zusammenarbeit zu fördern, Bürgerinnen und Bürger zu Wort kommen zu lassen und einzubinden. Es macht durchaus Sinn zu prüfen ob Mischnutzungen zusammenpassen oder ob man diese doch lieber in Quartiere ausbaut. Ein Schnellschuss in Planung und Konzeption wirkt unmittelbar auf das Stadtbild und Zusammenleben und ist ggf. nur schwer zu korrigieren.
Die Stadt, Stadtzentren und Stadtteile sind kohärent gemeinsam zu betrachten. Die Interessen und Bereiche gleichen sich ab und profitieren als singuläre und urbane Standorte im Ganzen stetig und bewusst voneinander.
Wo Menschen zusammenleben wird gestaltet und werden Ideen für die Zukunft entworfen. Es geht um das Miteinander und Füreinander. So ist in der Stellenbeschreibung des / der Citymanager/in auch immer die Position des „Kümmerers“ verankert. Der Austausch mit Verbänden, Institutionen, Wirtschaftsvertretern und das Vernetzen zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik steht im Vordergrund. Eine gute Kommunikation getragen von Wertschätzung, Verbindlichkeit und Offenheit trägt die Aufgabe und ist die Essenz.
In Frankfurt wollen wir den Folgen von (Post-)Corona durch viele gezielte Maßnahmen im Sommer/Herbst entgegenwirken. Dadurch soll die Tristesse und die Schockstarre bei den Wirtschaftsakteuren und Konsumenten gelöst werden. So finden im Rahmen des Frankfurt Plans unterschiedliche Umsetzungen statt. Beispielsweise durch die Verlängerung der Gestaltung der Außengastronomie bis 31.12.2021 und Duldung von Einhausungen im Rahmen bestehender Genehmigungen durch die Ämter. Die Aktion „Gast in der eigenen Stadt“ fand mit rund 30 teilnehmenden Hotels vom 23. – 25.07.2021 statt. „Sommer in der Stadt“ und die Schausteller bereichern an vielen Plätzen unsere Innenstadt. Der Freiluftmarkt wird Gast am Börsenplatz mit einer Vielzahl an FoodTrucks, Fashion, Design, Musik und insgesamt 20 Ständen. Night Shopping ist für den Herbst in Planung. Zwei Recovering Kampagnen werden aktuell umgesetzt, FrankfurtReStart begann erfolgreich am 07.06.2021 und die Kampagne „MainViertel“ vom Dachverband der Gewerbevereine startet nach der Ferienzeit Anfang September. Des Weiteren wird schon in Richtung Zukunft gedacht, zum Masterplan Tourismus wurde die Studie „ErlebnisCityFFM“ ergänzend beauftragt, die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2022 vorgesehen.
Es sind also viele unterschiedliche Themen, die zum Aufgabengebiet des/der Citymanager/in gehören. Essenziell ist die Rolle des „Kümmerers“. Dieser will ich mich annehmen, beispielsweise durch einen Termin auf dem Kaiserplatz, einem Rundgang auf der Zeil und einem Besuch in einem der 46 Stadtteile, immer verbunden mit einem Gespräch vor Ort. Dieser intensive Austausch mit vielen besonderen Menschen, ihre Anliegen aufzunehmen, das Lachen und den Stolz der Bürger, Gewerbetreibenden zu erleben – das macht dieses Berufsbild so attraktiv und spannend.