Fachkräftesicherung 2018 – Ausbildung jetzt!

Ausbildung jetzt!
Monika Aglago, die Bereichsleiterin des Jugendjobcenters, und Bereichsleiter Marco Schöppner von der Agentur
für Arbeit Frankfurt im Berufsinformationszentrum (Main-BiZ) – einem der modernsten in Deutschland.

Das neue Ausbildungsjahr beginnt, und der Markt sortiert
sich. Viele Jugendliche und junge Erwachsene starten jetzt
wie geplant – und oft lange schon festgelegt – in ihre berufliche
Ausbildung, und die Betriebe sind auf die jungen Menschen
eingestellt, wenn sie nicht schon mitten in der Planung
des folgenden Ausbildungsjahres 2019/2020 sind. Der Ausbildungsmarkt
ist aber immer noch in Bewegung: Betriebe haben
ihren Wunschbewerber nicht gefunden, und Jugendliche sind
nicht in ihrem Traumberuf gelandet – oder sie haben sich erst
jetzt für eine duale Ausbildung entschieden und suchen aktuell
eine „Lehrstelle“. Auch das ist an der Tagesordnung, dass es sich
ein Auszubildender anders überlegt hat und seinen Vertrag nicht
antritt oder dass ein Unternehmen kurzfristig einen Ausbildungsplatz
geschaffen hat.

Was kann ein ausbildungsbereiter Betrieb in dieser Situation unternehmen,
wie muss ein Arbeitgeber vorgehen, um den Fachkräftebedarf von morgen
durch Ausbildung jetzt zu sichern?

Wir sprachen mit Monika Aglago, der Bereichsleiterin des Jugendjobcenters
Frankfurt, und Marco Schöppner, der als Bereichsleiter in der Agentur für
Arbeit Frankfurt u. a. die Berufsberatung Sekundarstufe I und II, die Hochschularbeit,
den Arbeitgeber-Service für Ausbildungsstellen und den Bereich
berufliche Rehabilitation / schwerbehinderte Menschen leitet. Im Jugendjobcenter
arbeiten das Jobcenter Frankfurt am Main, die Berufsberatung der
Agentur für Arbeit und die Jugendberufshilfe der Stadt Frankfurt bei der
Betreuung von Jugendlichen zusammen.

Marco Schöppner präzisiert sogleich: „Die drei Partner arbeiten rechtskreisübergreifend
sehr erfolgreich zusammen!“ Und Monika Aglago ergänzt:
„Die Kooperation schafft die gleichen beruflichen Chancen für die jungen
Menschen in Frankfurt, unabhängig davon, ob sie Kundinnen und Kunden
des Jobcenters sind oder ob sie von der Arbeitsagentur betreut werden. Für
die Unternehmen ist es ohnehin nur von sekundärer Bedeutung, in welchem
Rechtskreis ein Arbeitsuchender betreut wird. Die Voraussetzungen müssen
stimmen, vor allem auch die Motivation und das Engagement.“ In der
gemeinsamen Markterschließung sieht Marco Schöppner eine der „wesentlichen
Zielsetzungen, die wir in der gemeinsamen Ausbildungsvermittlung
haben. Wir treten bewusst gemeinsam am Markt auf und bieten den jungen
Menschen einen Vermittlungsservice, bei dem es keine Unterschiede zwischen
den Rechtskreisen gibt.“

Den Vorteil für die Betriebe sieht Marco Schöppner darin, dass sie Zugang
zum gesamten Spektrum der Arbeits- und Ausbildungssuchenden haben.
„In Zeiten des Fachkräftemangels und in einer Situation, in der passende
Mitarbeiter und Auszubildende zunehmend schwerer zu finden sind, ist dies
ein wichtiger Faktor.“ Arbeitgeber müssen nur einmal eine offene Stelle melden,
dann haben alle Beteiligten im Jobcenter und in der Arbeitsagentur den
Zugang zum gemeinsam genutzten System und können geeignete Bewerberinnen
und Bewerber vorschlagen.

Das ist auch der erste Schritt für Arbeitgeber, die jetzt noch einen Ausbildungsplatz
für das beginnende Ausbildungsjahr zu besetzen haben: „Melden
Sie uns Ihre offenen Ausbildungsplätze jetzt! Es ist nicht zu spät. Wir
haben noch zahlreiche junge Menschen, die eine Ausbildung anstreben“,
erklärt Marco Schöppner. Aber verfügen sie auch über gute persönliche Voraussetzungen?

Monika Aglago und Marco Schöppner berichten übereinstimmend, dass gerade
unter den jungen Menschen, die sich spät für eine Ausbildung entscheiden,
gute Bewerberinnen und Bewerber zu finden sind: „Denken Sie an die
Studienabbrecher – eine interessante Zielgruppe für Ausbildungsbetriebe!“
„Unversorgte“ Bewerber haben vielleicht auch in ihrem bevorzugten, primären
Zielberuf keine passende Ausbildungsstelle gefunden und sind jetzt für
eine Alternative offen. „Wenn ein Betrieb einen Azubi sucht, finden wir eine
individuelle Lösung – auch last minute“, meint Marco Schöppner zuversichtlich.
„Vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen wollen wir
dazu führen, unseren Vermittlungsservice verstärkt in Anspruch zu nehmen.“

Nach seiner Beobachtung haben die Frankfurter Betriebe auch in der Situation,
in der passende Azubis schwerer als in den vergangenen Jahren zu
finden sind, ihre Anforderungen nicht abgesenkt. Denn auch die beruflichen
Anforderungen nach der Ausbildung seien eher gestiegen oder zumindest
gleichgeblieben, auch die Ausbildungsordnungen und die Prüfungsanforderungen
hätten sich nicht geändert. Zudem sei Frankfurt für viele aus der
Region einpendelnde junge Menschen ein attraktiver Beschäftigungsort.
„Dank der hohen Zahl von Einpendlern, auch bei den Azubis, befinden sich
die Frankfurter Betriebe bei der Mitarbeitersuche in einer günstigeren Situation
als anderswo.“

Unterstützungsangebote

Und wenn ein junger Bewerber nicht gerade durch gute Schulnoten überzeugt?
„Eine gute Fachkraft kann er trotzdem werden“, bemerkt Monika
Aglago. Durch eine zielgerichtete Beratung und Berufsorientierung kann er
zu einer realistischen Einschätzung seiner Möglichkeiten auf dem Ausbildungsmarkt
geführt werden und dann erfolgreich seinen Weg machen. „Das
wirksamste Mittel für Betriebe, einen jungen Bewerber kennenzulernen, ist
das Praktikum – eine unverbindliche Form. Auch die Einstiegsqualifizierung
(EQ), die mehrere Monate – bis zu einem Jahr – dauert, ist ein erfolgreiches
Instrument.“ (Mehr dazu auf Seite 9 dieser Ausgabe.) Auch die Praktika im
Rahmen der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BVB) sind nach Einschätzung
der Bereichsleiterin des Jugendjobcenters eine gute Möglichkeit,
die Eignung von jungen Menschen in der Praxis zu erkunden.

Wenn die Theorie nicht unbedingt zu den Stärken eines Azubis zählt, haben
das Jobcenter und die Arbeitsagentur ein Unterstützungsangebot, das im
erforderlichen Fall von Beginn der Ausbildung an eingesetzt werden kann
– nämlich den Stütz- und Förderunterricht auf freiwilliger Basis im Rahmen
der „ausbildungsbegleitenden Hilfen“ (abH). Marco Schöppner ermutigt die
Ausbildungsbetriebe geradezu, betroffenen Azubis dieses Förderangebot
nahezubringen und es verstärkt zu nutzen, insbesondere auch, um Ausbildungsabbrüche
zu vermeiden. (Ausführlich dazu Seite 12 – 13 dieser
Ausgabe.)

Auf ein spezielles Förderangebot des Jobcenters weist Monika Aglago hin:
Das Jobcenter Frankfurt hat jetzt wieder die Möglichkeit geschaffen, Betriebe
mit einer einmaligen Ausbildungsprämie in Höhe von 5.000,00 Euro zu
fördern, die einen jungen Bewerber auf einem Ausbildungsplatz einstellen,
wenn dessen berufliche Eingliederung aufgrund von Vermittlungshemmnissen
erschwert ist. (Vgl. dazu unseren Beitrag auf Seite 6 dieser Ausgabe.)
Eine spezifische und – so Monika Aglago – „sehr erfolgreiche“ Maßnahme,
an der sich das Jugendjobcenter durch Zuweisungen beteiligt, ist die Initiative
Joblinge. Hier werden Jugendliche und junge Erwachsene mit erschwerten
Bedingungen von erfahrenen Fachkräften und ehrenamtlichen Mentoren
betreut, an eine Ausbildung herangeführt und in einen Ausbildungsbetrieb
vermittelt. Für Monika Aglago ist die Initiative Joblinge ein gutes und erfolgreiches
Beispiel, wie es mit einem Ansatz der individuellen und ganzheitlichen
Betreuung gelingt, auch benachteiligte junge Menschen in das
Arbeitsleben zu integrieren.

Marco Schöppner richtet seinen Blick auf die Entwicklung des allgemeinen
Ausbildungsmarktes in der Region Frankfurt Rhein-Main, der nicht nur die
imageprägenden Bereiche Banken und Dienstleistung umfasst, sondern ein
sehr breites Spektrum an Ausbildungsberufen bietet. „Zu den Branchen,
die die sehr stark ausbilden, gehören beispielsweise Mobilität, Logistik und
Verkehr mit einer Vielzahl an interessanten Ausbildungsberufen, für die wir
junge Menschen begeistern wollen, gerade wenn sie diese Möglichkeiten
vielleicht nicht kennen und diese gar nicht in der Topliste der Wunschberufe
auftauchen. Diese beruflichen Alternativen zu erarbeiten und die Chancen,
die Frankfurt in der ganzen Bandbreite der Ausbildungsberufe bietet, aufzuzeigen,
ist ein Teil unserer Beratungsleistung.“

Neu: Arbeitgeber-Service U25

Das Jugendjobcenter intensiviert sein Angebot auch durch eine organisatorische
Neuordnung: Im Jugendjobcenter wurde ab sofort ein eigener Arbeitgeber-
Service U25 eingerichtet, der mit zwei Vollzeitstellen ausgestattet
ist. Der AG-S U25 ist dem Jugendjobcenter auch räumlich angegliedert und
kann so in engster Zusammenarbeit mit den persönlichen Ansprechpartnern
(PAP) aktiv werden. Dafür wurde auch ein Info-Point neu geschaffen, bei
dem jeweils freitags der AG-S U25 im Bewerbungszentrum präsent ist und
der Jugendlichen ohne Terminvergabe zur Verfügung steht, um deren Vermittlungsaktivitäten
zu fördern. Dieses Angebot sollen insbesondere auch
Neukunden des Jugendjobcenters zur schnellen Vermittlung nutzen. Im Rahmen
des Info-Points haben auch Arbeitgeber die Möglichkeit zur spontanen
kurzfristigen Information und Beratung. Der AG-S U25 hat einen bewerberorientierten
Vermittlungsansatz. Das bedeutet auch, dass Aksiniya Wolf, die
bereits im Einsatz ist, und ihr künftiger Kollege bzw. ihre Kollegin Bewerber
auch zu Vorstellungsgesprächen begleiten.

Monika Aglago berichtet auch von einer Planung, künftig einmal im Jahr
eine Veranstaltung unter dem Motto „Schule – was dann?“ für Schüler im
Abgangsjahr zu organisieren. Die Jugendlichen frühzeitig abzuholen und
ggf. auch ihre Eltern einzubeziehen, wird im Jugendjobcenter als wichtig
erachtet. Ggf. können auch Förderinstrumente über das „Teilhabepaket“
eingesetzt werden, z. B. Nachhilfeunterricht, wenn die Leistungen eines
Schülers dies erfordern.

Marco Schöppner berichtet aus seiner Erfahrung, dass junge Menschen mitunter
nur durch eine intensive und nachhaltige Betreuung ans Ziel geführt
werden können. Sie aufzugeben, wenn sie einen oder mehrere Termine versäumt
haben, hält er nicht für den zielführenden Ansatz. Denn er kennt viele
Beispiele für junge Menschen, die erst nach längerer beharrlicher Betreuung
in Ausbildung gekommen sind. Damit bringt er die Grundsätze des Jugendjobcenters
auf den Punkt.

Monika Aglago und Marko Schöppner vertreten gemeinsam die Auffassung:
Das Last-Minute-Prinzip kann auch in der Ausbildungsvermittlung funktionieren.
Am besten ist es natürlich, Ausbildungsstellen beim Arbeitgeber-Service
frühzeitig zu melden: nämlich idealerweise ein bis eineinhalb Jahre vor
Ausbildungsbeginn. Das gleiche gelte für die Bewerberinnen und Bewerber:
Wer 2019 eine Ausbildung beginnen möchte, meldet sich am besten jetzt
gleich bei der Berufsberatung bzw. dem Jugendjobcenter.

Verstärkung im Jugendjobcenter

Ausbildung jetzt!
  Aksiniya Wolf ist Mitarbeiterin im neuen
  Arbeitgeber-Service U25. Sie ist erreichbar
  unter Tel. 069 / 597 69 254.
  Sie war bisher schon im Team Arbeitgeber-
  Service tätig und hat Erfahrung in
  der Zusammenarbeit mit den Betrieben.