Profis sichern den Ausbildungserfolg

„Assistierte Ausbildung“ (AsA) für Jugendliche und junge Erwachsene – Ein Unterstützungsangebot zur Fachkräftesicherung

Es gibt die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH), eine Art Stützunterricht zum Ausgleich von Lern- und Theoriedefiziten, die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) zur Berufsorientierung für junge Menschen und daneben die Assistierte Ausbildung (AsA) – drei Unterstützungsangebote der Agentur für Arbeit und des Jobcenters. Alle drei Fördermaßnahmen sollen Jugendliche und junge Erwachsene an die Ausbildung heranführen und den Ausbildungserfolg sichern.


„AsA steht gewissermaßen zwischen abH und BvB“, erklärt Uwe Sommerlad, der AsA-Projektkoordinator im Grone Bildungszentrum Frankfurt. Dieser große, 1895 in Hamburg gegründete Bildungsträger mit zahlreichen Standorten in ganz Deutschland ist mit der Durchführung der Assistierten Ausbildung in Frankfurt beauftragt. Uwe Sommerlad – selbst Maler- und Lackierermeister und ein erfahrener Ausbilder und Ausbildungsbegleiter – leitet ein Team von Dozenten, Lehrkräften und Sozialpädagogen, die gegenwärtig 35 Jugendliche und junge Erwachsene in der Ausbildung begleiten und zum Ausbildungserfolg führen sollen. Der Schwerpunkt liegt bei den handwerklichen Berufen wie Maler und Lackierer, Bäcker, Mechatroniker, Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik. Prinzipiell kommen alle dualen Ausbildungsberufe für AsA in Betracht. Bei den Teilnehmern dominieren die jungen Männer, lediglich zwei junge Frauen mit Ausbildungsgängen in den Büroberufen besuchen derzeit AsA. Viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund, aber nur ein Teilnehmer hat Flüchtlingsstatus. Er besucht die Maßnahme seit 2016, im Jahr 2017 ist kein weiterer Geflüchteter hinzugekommen.

Erfahrungen

Uwe Sommerlad berichtet von seinem ältesten Teilnehmer, einem 37-jährigen Amerikaner, der als „Spätstarter“ im dualen System zum Mechatroniker ausgebildet wird. Neben der Ausbildung im Betrieb und zusätzlich zum Berufsschulbesuch kommt er regelmäßig ins Grone Bildungszentrum an der Frankfurter Friesstraße. Jeweils vier Unterrichtseinheiten Fachunterricht und vier Unterrichtseinheiten zur Förderung der deutschen Sprache sind angesagt. „abH waren in diesem Fall nicht ausreichend“, bemerkt Uwe Sommerlad und geht von einem erfolgreichen Ausbildungsabschluss aus.

Über erkennbare Fortschritte freut sich der Ausbildungsbegleiter selbstverständlich am meisten. Dabei denkt er an einen 23-jährigen Italiener, der vor vier Jahren ohne Kenntnisse der Landessprache nach Deutschland kam und jetzt zum Maler und Lackierer ausgebildet wird. „Es beeindruckt mich besonders, dass der junge Mann unbedingt erfolgreich sein will. Nicht nur das Bestehen der Prüfung ist sein Ziel, sondern die Note 2. Unvorstellbar, wenn ich an die Anfangszeit denke. Das Berichtsheft – grauenhaft! Der junge Mann kann fordern und er nervt, bis er verstanden hat. Das finde ich gut und richtig.“

AsA-Projektkoordinator Uwe Sommerlad (li.) und Ausbildungsbegleiter Michael Schmitt (Mi.) vom Grone Bildungszentrum Frankfurt im Gespräch mit Halil Ibrahim Degrimenci, einem 20-jährigen Auszubildenden im dritten Lehrjahr. Er will Bäcker we
AsA-Projektkoordinator Uwe Sommerlad (li.) und Ausbildungsbegleiter Michael Schmitt (Mi.) vom Grone Bildungszentrum Frankfurt im Gespräch mit Halil Ibrahim Degrimenci, einem 20-jährigen Auszubildenden im dritten Lehrjahr. Er will Bäcker werden. „Ohne AsA würde ich es vielleicht auch schaffen, aber es wäre sehr viel schwerer“, meint er.
Er hat gute Übernahmechancen in seinem Ausbildungsbetrieb Heinrich Schmid, der gegenwärtig vier Auszubildende im Rahmen von AsA fördern lässt – für das Unternehmen kostenlos. Ggf. stellt der Ausbildungsbetrieb die Jugendlichen für die Teilnahme an den Freitagen frei, insbesondere zur Prüfungsvorbereitung. In der Regel findet der Unterricht – einzeln oder in kleinen Gruppen – jedoch am späten Nachmittag oder in den frühen Abendstunden statt.

Fachliche und sozialpädagogische Unterstützung

Bei den Unterrichtszeiten hat es Halil Ibrahim Degrimenci noch relativ einfach. Der 20-Jährige mit einem türkischen Familienhintergrund hat die berufstypischen Arbeitszeiten eines Bäckers. Von 4.00 Uhr in der Früh bis mittags 12.00 Uhr steht der Auszubildende im dritten Lehrjahr in einer bekannten familiengeführten Bäckerei im Westend, danach kann er sich in den Frankfurter Osten aufmachen. Hier wird ihm geholfen, z. B. durch Fachunterricht und Unterstützung beim Führen des Berichtsheftes. Der Sozialpädagoge im Team kümmert sich um die Stärkung seiner adäquaten Kommunikation und der passiven Kritikfähigkeit. Hinzu kommt die Notwendigkeit für ein Konfliktmanagement. Nicht wie in anderen, nicht seltenen Fällen gibt es Regelungsbedarf mit dem Ausbildungsbetrieb, sondern mit der überbetrieblichen Ausbildung. Auch dafür finden die AsA-Profis Lösungsansätze, die einen Ausbildungsabbruch oder ein Scheitern in der Prüfung verhindern. Dies will der junge Mann keinesfalls, denn seine Backleidenschaft hat er schon zu Schulzeiten entdeckt und einen schöneren Beruf kann er sich nicht vorstellen.

Der junge türkische Mitbürger ist insoweit ein Sonderfall, als er nicht an der ersten Phase von AsA teilnahm. Diese soll in einem Zeitraum von acht Monaten Dauer dazu führen, dass die Jugendlichen zunächst eine realistische Selbsteinschätzung gewinnen, ihren Berufswunsch festigen, in einem Praktikum erproben und einen geeigneten Ausbildungsplatz finden.

Halil Ibrahim Degrimenci war bereits in der Ausbildung, als der Ausbildungsbetrieb selbst die Initiative ergriff und um Unterstützung bat – aus einem Gespräch mit einer Grone-Dozentin heraus, die Kundin in der Bäckerei war. Auf dem normalen Weg lädt die Arbeitsagentur oder das Jobcenter jugendliche Ausbildungsplatzbewerber mit Unterstützungsbedarf ein und informiert sie über das AsA-Angebot. Die Teilnahme selbst ist freiwillig.

Ausbildungsbetriebe profitieren

„Es gibt auch Abbrecher“, berichtet Uwe Sommerlad, „z. B. Jugendliche, die erst die berufliche Orientierung suchen oder nicht über die nötige Ausbildungsreife verfügen. Sie sind in der BvB dann an der richtigen Stelle.“ Das Grone-Team führt darüber hinaus Kontakte zu den Berufsschulen, Kammern und Innungen und ist auch bei den Begrüßungsveranstaltungen präsent. „Die Berufsschulen befürworten das AsA-Angebot, sehen in der Regel die Notwendigkeit einer stärkeren Inanspruchnahme und bedauern mitunter, dass gerade jene, die es besonders brauchen, nicht teilnehmen“, so Uwe Sommerlad.
Die Phase II der Assistierten Ausbildung erstreckt sich über die gesamte Ausbildungszeit bis hin zur Prüfung, die in der Regel erfolgreich abgelegt wird. Der Vorteil für Betriebe liegt in einer relativ umfassenden fachlichen, pädagogischen und sozialpädagogischen Unterstützung. Sie reicht im Bedarfsfall von der Erstellung der Ausbildungsverträge und die Antragsformalitäten für die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) über den Kontakt zu den Berufsschulen und die Vermittlung und Festigung von Lerninhalten bis hin zum Prüfungs-, Krisen- und Konfliktmanagement. „Dieses kostenlose Dienstleistungsangebot ist auch für Betriebe interessant, die noch nie oder schon lange nicht mehr ausgebildet haben“, stellt Uwe Sommerlad fest.

So funktioniert die Assistierte Ausbildung (AsA)

Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit schwachen Noten und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund – sie können oft mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Denn nicht immer spiegeln sich ihre Kompetenzen in Schulnoten und Zeugnissen wider. Diese Jugendlichen brauchen eine Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Dafür brauchen sie Unterstützung und Begleitung. Hier setzt die Assistierte Ausbildung (AsA) an:

Während diese benachteiligten jungen Menschen in einem Betrieb ausgebildet werden, werden sie von einem beauftragten Bildungsträger intensiv und kontinuierlich unterstützt. In Frankfurt am Main hat das Grone Bildungszentrum diesen Auftrag. Die Maßnahmekosten werden durch die Agentur für Arbeit bzw. das Jobcenter vollständig getragen, auf den Ausbildungsbetrieb kommen keine finanziellen Lasten zu. Da es sich nicht um eine Sonderform, sondern um ein reguläres Ausbildungsverhältnis im dualen System handelt, bleiben die Rechte und Pflichten aus dem Ausbildungsverhältnis unberührt.
Im Rahmen von AsA erhalten die Auszubildenden Hilfen
• zum Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten,
• zur Förderung fachtheoretischer Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten und
• zur Stabilisierung des Berufsausbildungsverhältnisses.
Der Ausbildungsbetrieb erhält
• die erforderlichen Hilfestellungen bei der Verwaltung, Organisation und Durchführung der Ausbildung und
• die Begleitung im Betriebsalltag zur Stabilisierung des Ausbildungsverhältnisses.

Regelmäßige Gespräche mit den Beteiligten im Betrieb sollen im Bedarfsfall dazu beitragen, frühzeitig mögliche Schwierigkeiten zu erkennen und daraus geeignete Maßnahmen und Strategien abzuleiten.

Die Unterstützung wird individuell auf die Bedürfnisse des Ausbildungsbetriebes ausgerichtet. Die Teilnahme an AsA kann zu jedem Zeitpunkt der Ausbildung beginnen. Die Maßnahme kann auch eine vorgeschaltete ausbildungsvorbereitende Phase beinhalten, in der ein interessierter Betrieb den künftigen Auszubildenden im Rahmen eines Praktikums unverbindlich kennenlernen und ggf. weitere Unterstützung vom Bildungsträger erhalten kann.

Zusammenfassend: AsA ist das Modell einer kooperativen Ausbildung mit dem Ziel, die Kluft zwischen den Anforderungen der Betriebe und den Voraussetzungen von Jugendlichen mit ungünstigeren Startbedingungen zu überbrücken. Dafür wird eine reguläre betriebliche Berufsausbildung durch umfassende Vorbereitungs- und Unterstützungsangebote flankiert. AsA schafft jungen Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen Zugänge zur regulären Ausbildung und unterstützt sie auf dem Weg zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss. Den Betrieben erschließt AsA zusätzliche Bewerberpotenziale auf dem enger werdenden Ausbildungsmarkt und leistet einen Beitrag zur Fachkräftesicherung.

Kontakt / Info:

Grone-Bildungszentren Hessen GmbH
Bildungszentrum Frankfurt
Uwe Sommerlad, Projektkoordinator AsA
Friesstraße 30, 60388 Frankfurt am Main
Tel. 069 / 408 998 720, Fax 069 / 408 998 710